Donnerstag, 28. November 2019

LUX PERPETUA

Bewegendes Konzert in der Stadtkirche Bad Cannstatt

Am 9. November 1938 stand in Deutschland mit Rassismus und Antisemitismus in der Reichspogromnacht ein dunkles Kapitel unserer Geschichte. Genau 81 Jahre und einen Tag später erklang in der Stadtkirche Bad Cannstatt in Bad Cannstatt (Stuttgart) die Uraufführung von LUX PERPETUA in der etablierten und innovativen Konzertreihe Musik am 13ten, von alter und neuer Kirchenmusik. LUX PERPETUA - das ewige Licht - ist eine kompositorische Neuinterpretation von Mozarts Requiem KV 626 durch den mehrfach international ausgezeichneten Komponisten Maximilian Guth. Lux Perpetua setzt der Ausgrenzung von Menschen anderen Glaubens und der Angst vor dem „Fremden“ etwas entgegen: Guth spannt musikalisch einen faszinierenden Bogen zwischen europäischen und außereuropäischen Kulturen und verbindet die drei monotheistischen Religionen Judentum, Islam und Christentum. Das gelingt zum Einen durch das Instrumentarium: Zur klassischen Orchesterbesetzung des Requiems treten nahöstliche Instrumente wie die armenische Duduk, die syrisch-armenische Oud und die persische Kamancheh. Zum Anderen werden interreligiöse Verbindungen deutlich, wenn im 6. Satz Hawdala ein vertontes jüdisches Kaddisch-Gebet zitiert wird oder im 9. Satz Melasurej in einem vom Chor geflüsterten Stimmenwirrwarr die Worte „Frieden“ und „Versöhnung“ in hebräischer, arabischer und lateinischer Sprache den Raum erfüllen. Die Besetzung des ASAMBURA-ENSEMBLES mit brillianten jungen Musikern aus unterschiedlichen Kulturen verdeutlicht gelebte Verbindung zwischen Menschen verschiedener Herkunft. Mehr als zwei Stunden lang ließ das Publikum sich ein auf ungewohnte Klänge, setzte sich auseinander mit Verzweiflung und Hoffnung, Trauer und Trost und öffnete sich mit der Musik dem ewigen Licht.

Zart verklingt der letzte Satz, Mozarts Introitus „ zerfließt“ ins Unendliche und mündet in eine arabische Melodie in der Oud, eine jüdischen Melodie in der Solovioline und den christlichen Glockenklang.

Es wird still, viele Atemzüge lang ganz still bevor lauter, lang anhaltender Applaus die Kirche füllt, Applaus für ASAMBURA und den Komponisten Maximilian Guth, den Münchner Knabenchor, den Kammerchor VOCIFER vom evangelischen Stift Tübingen und den Dirigenten Frank Oidtmann.

Mehr infos unter: http://asambura-ensemble.de

LUX PERPETUA ermutigt dazu, das „Fremde“ als Bereicherung des „Eigenen“ zu erleben.



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