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Samstag, 16. August 2025

Cannstatter Liebesgeschichten - Theobald Kerner

Theobald Kerner und die Liebe

Der Cannstatter Dichter und Politiker Theobald Kerner. Er war zwei mal verheiratet, geboren 1817 in Gaildorf als Sohn des vielleicht heute noch bekannteren Arztes Justinus Kerner und seinem „Rickele“. Gestorben ist er 1907 im Kernerhaus seines Vaters zu Weinsberg. In Bad Cannstatt hatte er eine sehr gut gehende „galvano-magnetische Heilanstalt“ in der Villa Schöne, an der eine Gedenktafel an ihn von Pro Altstadt erinnert: heute Bad-Straße 36. Auch eine Straße in der Nähe wurde nach ihm benannt.

Villa Schön Bad Cannstatt

Sonntag, 2. Februar 2020

Römischer Holzboden

Neues aus dem römischen Bad Cannstatt

Bei Rettungsgrabungen am Sparrhärmlingweg wurden 2012 spektakuläre Holzböden aus der Frühzeit der römischen Besiedlung entdeckt. Die Funde gehören mit 120 Quadratmetern zu den größten, die je in Südwestdeutschland gemacht wurden und bieten einen spannenden Einblick in die Bautechnik und das römische Leben vor 1900 Jahren. Die Archäologin Sarah Roth berichtet über die Ergebnisse der Ausgrabungen auf dem Hallschlag, die in den letzten Jahren vom Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt worden sind. Das Stadtmuseum Bad Cannstatt und der historische Verein Pro Alt-Cannstatt laden zu einem Vortrag ein, der am Dienstag, 4. Februar, um 19.30 Uhr im Verwaltungsgebäude, Marktplatz 10, stattfindet. Der Eintritt ist frei.

Geschrieben von Olaf Schulze
Pro Alt-Cannstatt e.V.
Schönestr. 25
70372 Stuttgart
Tel.: 0711/267039
Fax: 0711/5055735
E-Mail: info@proaltcannstatt.de

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württember


Samstag, 28. April 2018

Historischer Pfad 32 - Wilhelm Ganzhorn

Der Richter und Dichter Wilhelm Ganzhorn

Das Volkslied "Im schönsten Wiesengrunde" gilt fast schon als Nationalhymne der Schwaben. Der Urheber des Gedichtes, der Cannstatter Oberamtsrichter ist Wilhelm Ganzhorn (1818-1880), der neben seiner Lyrik auch als Altertumsforscher von sich reden machte.

.Am ehemaligen Cannstatter Oberamtsgericht an der Wilhelmstr. 10 (heute Ludwig-Raiser-Haus) erinnert eine Tafel des historischen Pfads an den prominenten Bewohner.


Erinnerungstafel Wilhelm Ganzhorn

Montag, 27. November 2017

Elisabeth Oehler-Heimerdinger

Die Schriftstellerin und Missionarsfrau Elisabeth Oehler-Heimerdinger

Im zweiten Teil der aktuellen Ausstellung „Frauengeschichte(n)“ des Stadtmuseums, die ab Mitte Januar 2018 in der Stadtteilbibliothek zu sehen sein wird, werden „Frauen der Feder“ eine zentrale Rolle spielen.

Post aus China

Elisabeth Heimerdinger kam am 13. Januar 1884 als ältestes Kind von Eduard Heimerdinger und seiner Frau Mathilde, geborene Klee, im Kaufmannshaus in der Brunnenstraße 3 zur Welt. Im Schatten der Stadtkirche wuchs sie in einem pietistisch geprägten Elternhaus auf, in dem gleichzeitig ein geschäftiger Kaufmannsgeist herrschte. Selbstverständlich half die Tochter in Haus und Laden für Garn- und Kurzwaren und verbrachte mit ihren Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit und Schulzeit. Nach dem Besuch der Höheren Töchterschule schickten ihre Eltern sie für ein Jahr in ein Mädchenpensionat in die französische Schweiz. Sie wäre gerne Lehrerin geworden, hatte Talent zum Schreiben und Zeichnen, aber die Eltern bestimmten, dass eine erwachsene Tochter zeit- und standesgemäß zuhause bleibt und wartet bis ... ja bis im Frühjahr 1908 ein Brief aus China das Haus Heimerdinger erreicht.


Samstag, 30. September 2017

Die Geschichte des Cannstatter Volksfests

Wie das Volksfest entstand und was Sie nicht verpassen sollten

Stadtführer Stefan Betsch erzählt die Entstehungsgeschichte des Volksfestes und nennt die kultigsten Attraktionen auf dem Cannstatter Wasen. 




Bad Cannstatt erleben
Stefan Betsch
Weidenbrunnen 93B
70378 Stuttgart
s.betsch@bad-cannstatt-erleben.de
Tel.: +49 / (0)1 72 / 95 34 800

Dienstag, 12. September 2017

Pfarrerin Lenore Volz

Lenore Volz wird Namensgeberin für eine der neuen Straßen im Neckarpark

Die Wiege für die Frau im Talar stand in Bad Cannstatt. Und so wird Frau Pfarrerin Lenore Volz wohl demnächst Namensgeberin für eine der neuen Straßen im Neckarpark. Als Vorreiterin für die Gleichberechtigung der Frau im kirchlichen Dienst hat sie entscheidend dazu beigetragen, dass die Synode der evangelischen Kirche Württembergs1968 die Ordination und Gleichstellung der Theologinnen beschloss.

Lenore Volz stammt aus einer christlich-sozial engagierten Familie und wurde am 16. März 1913 in Waiblingen geboren. Nach dem Abitur am Stuttgarter Königin-Katharina-Stift begann sie 1932 ihr Theologiestudium in Tübingen, obwohl es zu der Zeit keinerlei Perspektiven für Theologinnen gab.
Ihre Eltern unterstützten sie vorbehaltlos auf ihrem Weg, wobei ihre Mutter, deren Vorfahren auf Johannes Brenz zurückgehen, sich selbst besonders stark für die Frauen-, Familien- und Sozialarbeit einsetzte und die erste Mütterschule in Esslingen gründete.


Dienstag, 25. Juli 2017

Wie aus Cannstatt Bad Cannstatt wurde

Die Badekultur der Sauerwasserstadt im 19. und 20. Jahrhundert

Auf Grund der hohen Besucherzahlen und der vielen begeisterten Menschen, die gerne nochmals wieder kommen wollten wurde die Ausstellung bis Sonntag. 06. August 2017 verlängert

Der Evangelische Verein Bad Cannstatt und der Verein Pro Alt-Cannstatt haben zusammen die Ausstellung "Wie aus Cannstatt Bad Cannstatt wurde - Die Badekultur der Sauerwasserstadt im 19. Und 20. Jahrhundert" organisiert.

Bad Cannstatt Bad Cannstatt hat die zweitreichsten Mineralwasservorkommen Europas. Seit der Römerzeit wurden die Quellen auch zum Baden genutzt. Daneben diente natürlich der Neckar bis weit ins 20. Jahrhundert zu diesem Reinigungs- wie Freizeitvergnügen. Die Ausstellung versammelt zahlreiche Objekte und Bilder aus der Blütezeit des Badelebens im 19. Jahrhundert, aber auch der Badekultur vergangener Jahrzehnte. Die Schwimmvereine und Mineralbäder, die Bademode, die Kuranstalten, die Projekte der Nationalsozialisten ab 1933, als aus Stuttgart-Cannstatt Stuttgart-Bad Cannstatt wurde... lassen Sie sich überraschen von der Vielfalt der gezeigten Themen. 


Öffnungszeiten: Mi, Sa, So 14-18.00 Uhr bis 6.August 2017
Ort: ehemalige Stadtmühle, Überkingerstr. 19

Plakat Bad Cannstatt

Sonntag, 23. Juli 2017

Historische Kostüme aus Bad Cannstatt

Rückblick auf die Cannstatter Mode des 19. Jahrhunderts

1. Kleider des Königs Wilhelm I von Württemberg und seiner Frau Pauline
Wilhelm war Cannstatt Liebhaber und Gönner der Stadt

Kleidung Wilhelm I und Gattin Pauline 



Dienstag, 4. Juli 2017

Bad Cannstatts Geschichte IV

Die Geschichte der Cannstatter Gassen 

Cannstatts Geschichte von Eberhard Köngeter

Das Leben in Bad Cannstatt im 14.Jahrhundert

Die Bauersleute versorgten sich überwiegend selbst, um die weitere Versorgung kümmerten sich Metzger und Bäcker (frühere und heutige Bäckergasse). Die Fleischbank der Metzger soll sich in den Erdgeschoß-Lauben des Rathauses befunden haben, das sich bis 1491 an der Stelle des heutigen Hauses Marktstraße 33 befand.Wagner, Sattler und Schmiede sorgten sich um die Gerätschaften der Bauern und um die Wägen der durch-ziehenden Fuhr- und Kaufleute (frühere und heutige Schmiedgasse). Küfer oder Kübler fertigten Fässer, Bottiche, Eimer und hölzernes Gerät für die Wengerter und die Bauern (frühere und heutige Küblergasse).

Für das Jahr 1350 wird eine Mühle bestätigt, die durch die beim Rathaus austretende Sulzquelle unter-schlächtig angetrieben wurde.

1377 wird erstmals ein "Sulzbader" erwähnt, diese "Ärzte der Kleinen Leute" dürften aber schon viel früher hier tätig gewesen sein.

Für Speis und Trank, für das sicherlich bescheidene gesellige Leben und die Unterbringung der reisenden Händler, Handwerker und Kaufleute waren die überwiegend in der Marktstraße ansässigen örtlichen Gastwirte zuständig. Spätestens seit dem Mittelalter mußte im Gastgewerbe zwischen Schild- und Gassenwirtschaften unterschieden werden, wobei Gassenwirtschaften niemand beherbergen und auch keine Speisen anbieten durften.

Dagegen beinhaltete die Konzession für eine Schildwirtschaft das Recht und auch die Pflicht, Gäste zu beherbergen und sie mit Speis und Trank zu bewirten. Eine für Schildwirtschaften gültige Wirtsordnung aus dem Jahr 1579 besagte, "wenn fremde Gäste kommen, soll der Wirt sie freundlich empfangen, auch vor allem, wer sie seien, sich erkundigen. Bei Mahlzeiten sollten sie nach Rang und Stand sitzen, damit nicht reich und arm, Edel- und Bauersmann untereinandergesetzt und der arme Mann an Zehrung nicht so hoch beschwert werde".

Nach der Ummauerung der Stadt und der Einführung einer Magistratsverfassung dürften sich weitere Gassennamen herausgebildet haben, die auf eine handwerkliche Spezialisierung innerhalb der jungen bäuerlich geprägten Stadt hinwiesen. Diese Handwerker arbeiteten in ihren Gassen sowohl für die Cannstatter und die Durchreisenden als auch für die Weiler und Dörfer der näheren Umgebung:

- In der Tuchmachergasse die dort ansässigen Weber,

- in der Spreuergasse lebten die Bauersleute (Ackerbürger), hielten Vieh und lagerten in ihren Scheunen Korn, Stroh und Spreu

- in der Zieglergasse die Ziegelmacher und die Maurer

- in der Felgergasse die Wengerter ("Felgen" bedeutete das Umackern eines Wengerts)

- in der Badergasse sorgten sich die Bader als Betreiber einer Badestube und als Heilkundige

um die Gesundheit der Bewohner,

- auf dem Seilerwasen außerhalb der engen Stadt drillten die Seiler auf langen Bahnen ihre Seile.

- Der Name Mühlgrün weist auf eine im Vergleich zur Rathaus-Mühle leistungsfähigere Mühle am Neckar hin.

Doch der Schein der beschriebenen Handwerkeridylle muß relativiert werden: Während der Regierungszeit Graf Ulrichs III. (1325 -1344) war das Land und somit auch Cannstatt durch eine fast zwei Jahrzehnte andauernde Folge von Mißernten wirtschaftlich geschwächt. Nur die im Vergleich zur Regierungszeit seines Vaters Graf Eberhard I. relativ friedfertige Politik Ulrichs und das enge Protektions-verhältnis zum Kaiser haben größere Nöte verhindert.



Der Autor Eberhard Köngeter erhielt 2010 die Ehrenmünze der Stadt für sein großes Engagement
Eberhard Köngeter 2010

Dienstag, 27. Juni 2017

Bad Cannstatts Geschichte III

Die Geschichte von Bad Cannstatt Teil III

Die Geschichte der Cannstatter Kirchen - von Eberhard Köngeter

Bereits zwischen 650 und 700 wurde auf dem heutigen Steigfriedhof die St. Martinskirche errichtet, die als Urkirche für den gesamten Mittleren Neckerraum angesehen werden kann. Jahrhunderte davor befand sich hier in Sichtweite des Kastells ein Sanktuarium, ein römisches Heiligtum. Eine erste karolingische Basilika als Vor-Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche wurde wohl auf Geheiß Karls des Großen errichtet, der hier an seinem Königshof im Jahr 777 einen Schutzbrief zugunsten des Klosters Hersfeld beurkundet hat. In seinem Kirchenführer über die Stadtkirche berichtet der frühere Stadtpfarrer Dr. Karlheinz Bartel über die ersten Cannstatter Kirchen folgendes:

Wann auf dem Platz der heutigen Stadtkirche, einer spätgotischen Hallenkirche, der erste Kirchbau entstand, kann nicht genau angegeben werden. Bei der Renovierung der jetzigen Kirche in den Jahren 1960 – 1962 durch Prof. Paul Heim stieß man beim Graben der Heizungskanäle auf verschiedene Fundamente unter dem Fußboden. Sie wurden genau vermessen und wieder zugeschüttet. Es ergab sich, daß unsere Stadtkirche zwei Vorgängerinnen (aus Stein) hatte. Die erste Kirche entstand in karolingischer Zeit. Die zweite war eine romanische Kirche.

Beim Auswerten der Meß-Ergebnisse zeigte sich, daß alle 3 Kirchen auf denselben seitlichen Fundamenten errichtet waren, mit derselben Breite der drei Schiffe und dem Rhythmus der Pfeiler. Prof. Heim fiel auf, daß der gefundene Grundriß des karolingischen Baues identisch war mit der Einhards-Basilika in Steinbach bei Michelstadt im Odenwald. Nur der Atriumsbereich war etwas verlängert gegenüber dem in Steinbach.

Da der Mönch Einhard Architekt Karls des Großen war (später auch dessen Chronist) und die Kirche neben einem karolingischen Königshofe in der Spreuergasse lag, kann man fast mit Gewißheit davon ausgehen, daß Karl der Große (um 800) den Bauauftrag erteilte und Einhard der Erbauer unserer ersten Stadtkirche war. Sie war damals eine Herren- oder Eigenkirche und in Form einer Basilika gebaut. Sie war den Märtyrern Cosmas und Damian geweiht.

Blick vom Neckarufer auf die karolingische dreischiffige Basilika mit Westwerk, Apsis, Seitenschiffen und Seitenkapellen. dem Westwerk vorgelagert ist ein ummauertes, kreuzgangähnliches Atrium mit einem Eingangstorbereich und einem Brunnen in der Mitte

Dienstag, 20. Juni 2017

Bad Cannstatts Geschichte II

Die Geschichte von Bad Cannstatt Teil II

Cannstatts Stadterhebung - von Eberhard Köngeter


Älteste Stadtansicht "Kantstat" aus H. Schäufelins "Abconterfectur des löblichen Fürtenthumbs Wirtemberg", um 1540
Der Weg von der Idee einer Stadtanlage bis zur vollendeten Stadt ist lang. Eine gewisse Siedlungskonzentration im Bereich der späteren Stadt mag schon im späten 13. Jahrhundert in Gang gekommen sein, doch waren schon vor Baubeginn von Toren, Türmen und Mauern und dem Ausheben des sie umgebenden Grabens größere Grundstückstransaktionen durchzuführen. Auch mußte man Handwerker und Kleinhändler, die neben schon ansässigen Bauern und Weingärtnern die früheste Stadtbevölkerung ausmachten, wenigstens zum Teil aus anderen Städten zu einer Übersiedlung veranlassen. All diese zeitraubenden Vorgänge passen aber kaum in die fünf Jahre zwischen Eberhards Tod und die seinem Sohn Graf Ulrich III. von Kaiser Ludwig dem Baier am 11. Dezember 1330 ausgestellte Urkunde. Zwar wird Cannstatt 1324 noch als Dorf ("by dem dorf ze Kannestat) bezeichnet, doch mögen viele erwähnten Maßnahmen schon in vollem Gang gewesen sein.  Als Stadt wird Cannstatt erstmals am 28. Juni 1330 in einer Privaturkunde genannt; in ihr kommen ein Cannstatter Richter und ein Cannstatter Bürger vor. Damit war also Cannstatt schon im Sommer 1330 volle Stadt mit (fast) allem, was eine Stadt vom Dorf unterscheidet: Es hatte Befestigungen, städtisches Recht, Bürger und ein Richterkollegium. Nicht durch die kaiserliche Urkunde, sondern durch den Willen des Landesherrn, des Grafen Ulrich III. und vielleicht schon seines Vaters, wurde Cannstatt Stadt. Mit der Urkunde Kaiser Ludwigs wurde nur noch der Schlußpunkt unter eine schon abgeschlossene Entwicklung gesetzt." Die Stadterhebung als Privilegiengewährung in der großen  
machtpolitischen Auseinandersetzung zwischen dem Papst und dem Kaiser. Seit der Epoche der Staufer haben die Römischen Päpste immer wieder den Kirchenbann als machtpolitisches Instrument gegen Deutsche Könige und Kaiser eingesetzt. Dieser päpstliche Strafbefehl beinhaltete die Absetzung und die Exkommunikation des Deutschen Königs und die Entbindung seiner Untertanen aus ihrem Treueeid. Untertanen, die den Bann mißachteten, drohte der Verlust ihres Seelenheils, das Fegefeuer und die ewige Verdammnis.

Zum ersten Mal wurde der Salierkönig Heinrich IV. mit dem Kirchenbann belegt.
Nur durch seinen Bußgang nach Canossa im Jahr 1077 konnte sich Heinrich aus dieser degradierenden und autoritätszersetzenden päpstlichen Ächtung lösen.

In all diesen Auseinandersetzungen spielten Fragen des Glaubens und der "reinen Lehre" nur vordergründig eine Rolle – im Kern ging es immer um Einfluß, Privilegien, Menschen- und Landgewinn, Machtausübung, Machtausdehnung und ums Geld.

Als König Ludwig IV. Rechte des Reiches in Oberitalien einforderte, ließ der in Avignon residierende Papst Johannes XXII. eine Anklageschrift gegen den späteren Kaiser am Domportal des Papstpalastes anbringen. In einem sich daran anschließenden Kirchenprozeß wurde Ludwig 1324 für abgesetzt erklärt, mit dem päpstlichen Bann belegt und bis zu seinem Lebensende von der Kirche exkommunziert. Als einer der wenigen Territorialherren widersetzt sich Graf Ulrich III. von Württemberg dem von Papst Johannes XXII. ausgesprochenen Kirchenbann und hält treu zu König Ludwig IV.
Für seine Opposition gegenüber dem Papst, seinen Mut und seine Treue wird er im Jahr 1330 vom Kaiser mit der Landvogtei über Schwaben und über das Elsass belohnt. Noch im selben Jahr verleiht der Kaiser - sicherlich dem Wunsch und dem Willen Ulrichs III. folgend - in einer Urkunde dem gräflichen Cannstatt städtische Privilegien. Die Erhebung Cannstatts zur Stadt kann somit durchaus auch als historischer Mosaikstein in die über Jahr-hunderte andauernde große machtpolitische Auseinandersetzung zwischen dem Römischem Papsttum und dem Deutschem Kaisertum eingeordnet werden.

Die Verleihungsurkunde von 1330

Die Erhebung Cannstatts zur Stadt erfolgte durch eine am 11. Dezember 1330 in Innsbruck ausgestellte kaiserliche Verleihungsurkunde. Sie wird im Original beim Hauptstaatsarchiv in Stuttgart verwahrt und ist zu Anfang dieses Beitrags abgebildet.

Ihr Übersetzungstext lautet:

"Wir Ludwig von Gots gnaden Römischer Chayser zu allen Ziten Merer dez Richs verjahen offenbar an disem Brief, daz wir durch besunder Gnad und Gunst, so wir haben zu dem Edlen Manne Ulrich, Graven zu Wirtemberg unserem lieben Landvogt in Elsazzen im gefrit haben, und och ehafften und rigen von unserer Chayserlichen Gewalt mit dieem gegenwärtigen Brief die Stadt zu Chanelstatt so, daz sie all die Recht Ere und gut Gewohnheit haben sulle und möge als unser und dez Richs Stat zu Eßlingen. Wir wöllen och durch besunderen Vride und nutz derselben Stat, daz sie den Lantag den sie habent vor der Stat, in der Stat haben sullen und mögen von unserer vollen Gewalt uf den Tag, als er her von alter vor der Stadt gewesen ist." usw.

Bemerkenswert am Text dieser Urkunde ist, daß darin Cannstatt schon als Stadt bezeichnet wird. Genau genommen war Cannstatt somit schon vor 1330 "Stadt". Vielleicht durch die Privilegien, die König Rudolf I. von Habsburg im Jahr 1286 Cannstatt verliehen hat. Verliehen wird in der "Stadterhebungsurkunde" auch das in der dem Kaiser unterstehenden Freien Reichsstadt Esslingen gültige Stadtrecht einschließlich Zunftgerechtigkeit und Magistratsverfasssung. Desweiteren durfte der bisher außerhalb tagende Landtag nun innerhalb der mit Mauern und Stadttoren (Brückentor, Schmidener Tor, Waiblinger Tor) gesicherten Stadt abgehalten werden.

Noch auf eine weitere Besonderheit, die sich aus dem Ausstellungsdatum der Urkunde ergibt, sei hingewiesen: Von 1327 bis 1330 hat sich der Kaiser in Italien aufgehalten. Zweck dieses nahezu 3-jährigen Aufenthalts waren die diplomatischen und militärischen Bemühungen, die universale Reichsidee eines "Heiligen Römischen Reichs" nach dem Untergang der Staufer in Italien wiederherzustellen, was ihm aber nur bedingt gelang.

Wer war nun dieser Kaiser und welche zeitgeschichtliche Epoche gestaltete er wesentlich mit?
Wir vertrauen hier auf das Urteil unseres Landeshistorikers Herrn Prof. Quarthal:
"Kaiser Ludwig IV. (1294/1314 – 1347) genannt "der Bayer" nimmt einen ersten Platz ein in der Ahnengalerie der "bayerischen Helden". Über viele Jahrhunderte war er eine Identifikationsfigur der bayerischen Geschichte: als erster Wittelsbacher auf dem Kaiserthron, als Förderer der Städte, als Mehrer des bayerischen Herzogtums und nicht zuletzt als standhafter Kämpfer gegen päpstliche Machtansprüche . . .
In der öffentlichen Wahrnehmung findet die Phase zwischen dem Ende der Stauferherrschaft und dem Kaisertum des prächtig in Prag residierenden Karl IV. wenig Beachtung. Doch vieles, wofür Ludwigs Nachfolger gerühmt wurde, geht bereits auf die Zeit des Wittelsbachers auf dem Kaiserthron zurück. Damals lag Bayern im Blickpunkt Europas. Es war die Zeit, in der grundlegende Neuerungen das überkommene Weltbild in Frage stellten, in der neue gesellschaftliche Gruppen Einfluß auf das Spiel der Mächtigen nahmen, eine Zeit, in der manches seinen Anfang nahm, das die moderne Welt heute prägt." Nach seiner Rückkehr aus Italien zu Anfang des Jahres 1330 konzentrierte sich der Kaiser offensichtlich auf die Ausweitung seiner Hausmacht und die Konsolidierung seines Kaisertums durch die Verleihung von Privilegien an den Adel und an die Städte und das Eingehen von  Koalitionen und Bündnissen mit den Deutschen Territorialfürsten. Unsere Stadterhebungsurkunde vom 11. Dezember 1330 spiegelt diese neue kaiserliche Politik beispielhaft wieder.


Cannstatt um 1330: mit der romanischen Stadtkirche, dem Brückentor, dem Schmidener Tor, der Stadtmauer, der Mühle an der Sulzquelle , dem Sulzbach und der Burg zum Stein (aus Festbilderbogen 500 Jahre Stadtkirche)
Mit dieser Urkunde bestätigte Kaiser Ludwig der Baier im Jahr 1330 Cannstatt die gleichen Rechte, wie Esslingen sie bereits besaß. In der fünften Zeile ab dem dritten Wort: "di Stadt zu Chanelstat" Urkunde vom 11.12.1330 (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)


Dienstag, 13. Juni 2017

Bad Cannstatts Geschichte I

Die Geschichte von Bad Cannstatt Teil I

Bad Cannstatt vor 1330 - von Eberhard Köngeter


Dr. Jürgen Hagel: "Eigentlich hätte nicht der Stutengarten in der sommer-heißen Sackgasse des Nesenbachtals zur Hauptstadt Württembergs werden dürfen, sondern Cannstatt hätte es werden müssen. Denn dieser Platz ist ausgezeichnet durch seine Lage an einem Flußübergang und einem wichtigen Straßen-knoten, an heilenden Quellen und in einer fruchtbaren Umgebung."

Cannstatt um 1050: mit der nun 3-türmigen romanischen Pfeilerbasilika, dem Königlichen Fronhof, der Burg zum Stein an der heutigen Spreuergasse, der Mühle an der Sulzquelle mit dem Sulzbach und dem am Neckar liegenden Fischerdorf (aus Festbilderbogen 500 Jahre Stadtkirche).

Freitag, 9. Juni 2017

Veiel Hautärzte

Vortrag: Die Veiels - Cannstatter Hautärzte von Renommee 

Pro Alt-Cannstatt und die Stadtteilbibliothek Bad Cannstatt laden zu einem Vortrag über die Cannstatter Hautärztedynastie der Familie Veiel ein. Drei Generationen lang, fast hundert Jahre, prägten die Veiels neben anderen Fachärzten das Bild Cannstatts als Stadt der Gesundheit. Und dass es bis heute einen dermatologischen Schwerpunkt am Krankenhaus Bad Cannstatt gibt, hängt unmittelbar mit der erfolgreichen Hautarzt-Dynastie zusammen. Am 1. Juli 1837 eröffnete Albert Veiel (1806-1874) seine "Heilanstalt für Haut- und Flechtenkranke", die erste Hautklinik in Deutschland. Bereits 1839 bezog man einen stattlichen Neubau an der Ecke Bad- und Marktstraße (heute "Galeria Kaufhof"). Bis 1935 setzten die Nachfahren das Werk des Klinikgründers fort.
Hautklinik Veiel

Dienstag, 30. Mai 2017

Die Geschichte Cannstatter Frauen

Ausstellung zur Geschichte von Cannstatter Frauen im Stadtmuseum Bad Cannstatt November 2017 bis April 2018

Für den Jahreswechsel 2017/2018 plant das Stadtmuseum Bad Cannstatt in Kooperation mit dem Verein Pro Alt-Cannstatt e.V. eine Sonderausstellung zur Geschichte von Cannstatter Frauen.

Sie waren Fabrikarbeiterin, Ehrenbürgerin, Schriftstellerin, Schauspielerin, Regisseurin, Theologin, Frauenrechtlerin, Lehrerin, Ehefrau, Mutter, Begine, Wiedertäuferin, Posthalterin, Kindsmörderin, Mordopfer, Politikerin, Geliebte eines Fürsten und vieles mehr ...

Um die aufwändigen Recherchen zu unterstützen und als Druck- kostenzuschuss für den geplanten Begleitband zur Ausstellung sucht der Verein Pro Alt-Cannstatt Paten für das Projekt.

Die Ausstellung wird voraussichtlich am Dienstag, den 7. November 2017, im Stadtmuseum Bad Cannstatt eröffnet und bis Ende April 2018 zu sehen sein. Begleitveranstaltungen in Kooperation mit der Stadtteil- bücherei Bad Cannstatt sind geplant, u.a. am „Internationalen Frauentag“, den 8. März 2018.

Samstag, 30. Januar 2016

Stefan Betsch: "Cannstatt braucht das BAD"

Der Titel "Bad" als Prädikat - Interview mit Stefan Betsch

Stefan Betsch erklärt im Gespräch mit Ariane Willikonsky, wie Bad Cannstatt zum Titel "Bad" kam und warum dieser Titel eine mehr als berechtigte Auszeichnung ist.