Montag, 27. November 2017

Elisabeth Oehler-Heimerdinger

Die Schriftstellerin und Missionarsfrau Elisabeth Oehler-Heimerdinger

Im zweiten Teil der aktuellen Ausstellung „Frauengeschichte(n)“ des Stadtmuseums, die ab Mitte Januar 2018 in der Stadtteilbibliothek zu sehen sein wird, werden „Frauen der Feder“ eine zentrale Rolle spielen.

Post aus China

Elisabeth Heimerdinger kam am 13. Januar 1884 als ältestes Kind von Eduard Heimerdinger und seiner Frau Mathilde, geborene Klee, im Kaufmannshaus in der Brunnenstraße 3 zur Welt. Im Schatten der Stadtkirche wuchs sie in einem pietistisch geprägten Elternhaus auf, in dem gleichzeitig ein geschäftiger Kaufmannsgeist herrschte. Selbstverständlich half die Tochter in Haus und Laden für Garn- und Kurzwaren und verbrachte mit ihren Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit und Schulzeit. Nach dem Besuch der Höheren Töchterschule schickten ihre Eltern sie für ein Jahr in ein Mädchenpensionat in die französische Schweiz. Sie wäre gerne Lehrerin geworden, hatte Talent zum Schreiben und Zeichnen, aber die Eltern bestimmten, dass eine erwachsene Tochter zeit- und standesgemäß zuhause bleibt und wartet bis ... ja bis im Frühjahr 1908 ein Brief aus China das Haus Heimerdinger erreicht.
Elisabeth Heimerdinger


Der Missionar Dr. Wilhelm Oehler, im Dienst der Basler Mission und Sohn des Cannstatter Dekans Oehler, hält um die Hand Elisabeths an. Die Eltern fühlen sich geehrt und auserwählt und stimmen zu. Was auf den ersten Blick nach der üblichen Fernvermittlung von Missionsbräuten ausschaut, ist aber ein romantischer Glücksfall. Denn Elisabeths Herz sagt „tausendmal ja“. Ihren Wilhelm hatte sie im Gottesdienst in der Stadtkirche schon aus der Ferne bewundert und insgeheim als Lebensgefährten ersehnt. Und er hatte die beste Freundin seiner Schwester Maria wohl ebenfalls in sein Herz geschlossen, ohne sich ihr zu offenbaren.

Ein Jahr lang gehen die Briefe der beiden auf monatelange Reise, bevor die Eltern Heimerdinger ihre Tochter Elisabeth im Februar 1909 nach Genua begleiten, wo sie die Überfahrt auf der „Prinz Ludwig“ antritt und am 12. März 1909 in Hongkong von einem an Bord stürmenden Bräutigam mit einem Strauß weißer Rosen empfangen wird. Nach der Hochzeit am 25. März 1909 in Hongkong reisen sie in die Missionsstation Tschanghangkong, in der sie 11 Jahre zusammen leben werden. Die junge Frau lernt rasch die chinesische Sprache, belgeitet ihren Mann auf seinen beruflichen Reisen und zeigt große Anteilnahme am meist hartem Schicksal der chinesischen Frauen. Sie beginnt zu schreiben, um den Daheimgebliebenen darüber zu berichten. Schon 1913 erscheint ihr erstes Buch mit dem Titel: „Ich harre aus“, das ins Französische und Schwedische übersetzt wird. Bald entstehen weitere Bücher mit selbst Erlebtem und Recherchiertem und von eigener Hand illustriert. Die geplante und erhoffte Heimkehr nach Europa wird durch den 1. Weltkrieg vereitelt, gleichzeitig erlebt das innig verbundene Paar manches Leid. Elisabeths Brüder fallen, das erste Kind stirbt bei der Geburt, weil kein Arzt zur Stelle war und nach der Geburt des ersten Sohnes 1918 übersteht die Wöchnerin nur mit Not eine lebensgefährliche Grippe.

Nach ihrer Heimkehr 1920 wohnt die Familie zunächst in Cannstatt bei den Eltern Heimerdinger bevor Wilhelm Oehler eine Dozentur in Tübingen antritt. Dort werden ein zweiter Sohn und eine Tochter geboren. Trotz der Versorgung der Kinder und Vortragsarbeit im Dienste der Mission, bleibt Elisabeth Oehler Zeit, ihrer Passion, der Schriftstellerei nachzugehen. Für sie ein Quell der Kraft und Besinnung. Sie verfasst zahlreiche Werke über die chinesischen Jahre (z.B. „Wie mir die Chinesen Freunde wurden“) und übersetzt chinesische Literatur aus dem Original. Von 1926 bis 1932 übernimmt Dr. Oehler eine leitende Funktion in Basel, wo sie glückliche Jahre verbringen und noch ein Kind geboren wird. Ihre letzte Station ist die Pfarrei in Erdmannhausen, wo Elisabeth Oehler als Pfarrersgattin und Schriftstellerin mit weltweiten Kontakten immer beschäftigt ist. Hier entsteht auch das kleine Buch „Wie`s daheim war“ mit bildhaften Schilderungen ihre Kindheit in Cannstatt. Nach ihrem Tod am 30. März 1955 erhält die zupackende, neugierige und so warmherzige Frau von ihrem Ehemann mit dem kleinem Büchlein „Elisabeth Oehler-Heimerdinger. Ihr Leben und ihre Botschaft im Lied. 1884-1955“ einen letzten Liebesgruß.

Autorin: Helga Müller

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